|
Heimatbund-Vorsitzender Dr. Meinhard Georg, Johannes Eingartner, die „Ladenburger Archäologin“ Dr. Britta Rabold, Prof. Dr. Claus Wolf, Abteilungspräsident des Landesamtes für Denkmalpflege Stuttgart, und Bürgermeister Rainer Ziegler präsentieren den fünften Band zur Ladenburger Frühgeschichte.Ladenburg. Zu seiner 86. Jahreshauptversammlung hatte der Heimatbund Ladenburg am Sonntag in den Domhof geladen. Der Einladung der bis auf den letzten Platz besetzten Veranstaltung folgten zahlreiche Mitglieder, Freude und Gönner des Traditionsvereins. Im Mittelpunkt der jährlichen Zusammenkunft stand diesmal die Vorstellung des 124. Bandes der Reihe „Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg“ mit dem Titel „Lopodunum V - Die Basilika und das Forum des römischen Ladenburg“ (wir berichteten) von Johannes Eingartner und anderen. Den in dem Buch beschriebenen neuesten Stand der Forschungen des in dieser Form im süddeutschen Raum einmaligen Bauensembles erläuterte Eingartner. Basilika und Forum von Ladenburg erstreckten sich auf einer Fläche von 130 x 85 Metern. Sie gehörten damit zu den größten und imposantesten antiken Bauten in Süddeutschland, die Basilika selbst zu den größten im gesamten römischen Reich, so Eingartner. Bereits 1911 habe Hermann Gropengießer Teile der Basilika entdeckt, so Eingartner in einer kurzen Übersicht. Rettungsgrabungen von 1984 bis 1997 unter der Leitung C.Sebastian Sommers hätten das dem Hallenbau angeschlossene Forum freigelegt und neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des gesamten Platzes gebracht. Der Befund habe viele Fragen aufgeworfen. So etwa, ob und inwieweit Basilika und Forum fertig gestellt wurden und wie ist der Bau im Detail zu rekonstruieren sei. Umstritten sei nach wie vor auch die erstmals von Gropengießer vorgeschlagene Datierung in den Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus.
Johannes Eingartner bei seinem interessanten Vortrag.Der Autor hat die bislang unbearbeitete Befund- und Funddokumentation des gesamten Komplexes ausgewertet und kommt zu aufschlussreichen Ergebnissen. Man wisse nun, dass man die Basilika tatsächlich vollendet habe, und 100 Jahre vor dem Zeitpunkt, der usrsprünglich angenommen worden sei. Demnch lasse sich die These nicht mehr halten, dass die Basilika wegen der Alamannen-Einfälle unvollendet geblieben sei. Des weiteren stehe - dank der Analyse des Fundmaterials der verschiedenen Bodenschichten durch Sebastian Gairhos - die Datierung von Basilika und Forum in das erste Drittel des 2. Jahrhunderts nach Christus fest. Auch gebe es Hinweise auf die Nutzung der Anlage bis mindestens in die Zeit Kaiser Septimus Severus´ (193 bis 211 n. Chr.) wovon archäologisch eine Reparaturmaßnahme und eine Inschrift zeugten.
Aussenansicht der Ladenburger BasilikaDer Beitrag untet der Federführung Bernd Päffgens sei schließlich dem Verhältnis der Basilika zur sich darüber erhebenden gotischen Kirche St.Gallus gewidmet. Daraus gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Existenz eines bislang nur indirekt zu erschließenden vorromanischen Sakralbaus hervor. In dem neuen Band werden auf der Basis der gewonnenen Ergebnisse alle früheren Rekonstruktionsversuche noch einmal zusammenfassend diskutiert, um in einen neuen Entwurf sowohl des Grund- als auch des Aufrisses der Anlage einzufließen. Darüber hinaus wurde ein Plan mit sämtlichen Befunden und Grabungsflächen auf der Grundlage des Ladenburger Katasters angefertigt, an dem sich zukünftige Forschungen zu orientieren vermögen.
Wer sich ein Bild von einer römischen Basilikamachen möchte, kann hier oder hier (Basilika von Leptis Magna im heutigen Libyen) nachsehen. (jh)
Zum Buch: Reihe »Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg« Band 124, Johannes Eingartner, Lopodunum V - Die Basilika und das Forum des römischen Ladenburg. Mit Beiträgen von Sebastian Gairhos, Bernd Päffgen, Kurt Schurr, Martin Straßburger, Rainer Werthmann und Wolfgang Kuhoff. Herausgegeben vom Regierungspräsidium Stuttgart - .Landesamt für Denkmalpflege. 244 Seiten mit 29 Abbildungen, 70 Tafeln und 1 Beilage. Gebunden mit Schutzumschlag. Konrad Theiss Verlag, 54 Euro.
|