Mittwoch, 08. Februar 2012
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Ausgrabungen: „Ladenburg bürgt für Qualität – wie immer“ PDF  | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von: Joachim Hofmann   
Donnerstag, den 27. Mai 2010 um 20:03 Uhr

b-forum1b-forum1Am Donnerstag hatten Heimatbund und Stadt Ladenburg zur wohl abschließenden Führung durch die Grabungen an der Merian-Realschule eingeladen. Die Grabungen im Bereich des römischen Südforums hätten sicher noch mehrere Monate gebraucht, so Heimatbund-Vorsitzender Dr. Meinhard Georg bei seiner Begrüßung der zahlreich zum „Blick in das Geschichtsbuch Ladenburgs“ erschienenen Besucher. Von sechs Monaten hätten wegen des widrigen Wetters nur vier Monate gegraben werden können.

„Es war nicht immer ganz einfach, jeder musste Einbußen in Kauf nehmen“, so Dr. Britta Rabold vom Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Karlsruhe (Foto). Aber wir haben Ergebnisse zutage gefördert, mit denen wir so nicht gerechnet hatten.

Inmitten des römischen Südforums, wo auch der Ladenburger Schatz – die einzigartigen Portalbeschläge – ans Tageslicht gefördert wurden, seien zum einen der nördlich des Forums gelegene Straßenzug dort gefunden worden, wo Dr. Berndmark Heukemes ihn vermutet hatte. Aus römischer Zeit sei weiterhin ein Töpferofen zutage getreten, der wohl zum Vicus (Dorf) der Kastellzeit gehörte. Zudem sei eine Latrinenanlage gefunden worden, wie sie bei einem Forum mit Geschäften und Gaststätten zu vermuten sei, so Dr. Rabold. Eventuell habe man auch einen Brunnen aus römischer Zeit entdeckt, hier sei die Befundlage noch nicht eindeutig. Zugleich hätten die Ausgräber eine kurzfristig angesetzte „Notgrabung“ in der Realschulstraße 12 durchgeführt. Dort sei eine vollständige Latrine ans Tageslicht befördert worden, berichtete Rabold.

b-forum2b-forum2Der „Knaller“ (Rabold) aber sei, dass durch die Grabungen die Karolingerzeit in Ladenburg in ein neues Licht gerückt werde.  „Ladenburg bürgt für Qualität – wie immer“, so Rabold zu den Befunden. Bereits Dr. Heukemes hatte in diesem Bereich 65 Gräber entdeckt, die er zunächst in die Spätantike verortete, aber auch die Karolingerzeit für möglich hielt. Die Archäologen um Grabungsleiter Peter Eule haben nun über der römischen Bebbauung Reste einer Kirche freigelegt, möglicherweise mit Krypta/Heiligtum und höchst wahrscheinlich mit einem Vorgänger aus Holz. Sie lasse sich anhand eines Münzfundes – der abgebildete „Herrscher“ sei noch nicht identifiziert - und Keramikteilen in die Karolingerzeit datieren. Diese Datierung passe auch für die rund 80 Gräber, die rund um die – auch wegen zweier Brände – mehrfach umgestaltete Kirche gefunden wurden. Sie weisen keinerlei Grabbeigaben wie Waffen oder Fibeln aus, wie sie noch vor der Christianisierung üblich waren. Die Ausgräber vermuten mehr als 100 Gräber, die wohl zu einem Dorf vor der Stadt gehört haben.

b-forum4b-forum4Die Bestattungen seien im Laufe der Zeit immer mehr geworden, teilweise kreuz und quer und sogar übereinander, in der Römerstraße (Bild links) und später auf den Resten der Kirche. Knochenreste finden sich dort überall. Eine Belegung wird bis in das 11. und 12. Jahrhundert vermutet.

Schließlich seien entlang der Westfassade der Merianschule Reste eines Holzdielenbodens entdeckt worden. Leider, so Dr. Rabold, hätten in der Kürze der Zeit die vermuteten Reste einer Fachwerkbebauung nicht entdeckt werden können. Ein paar Tage haben die Archäologen jetzt noch Zeit, bevor die Baumaschinen anrücken. Aber auch dann bleiben sie noch eine Weile begleitend vor Ort.

 

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